Veröffentlicht am 26.11.2016, Offenbach-Post
Stadtkapelle spielt Jazz und Swing

Richtige Nische gefunden

Heusenstamm - Zwei große Blasorchester gibt es in der Schlossstadt, die beide ohne Konkurrenzdenken gut nebeneinander existieren. Das liegt vor allem daran, dass sie – in Zeiten, in denen „Dicke-Backen-Musik“ keine Rolle mehr spielt – ihre Nischen gefunden haben. Von Claudia Bechthold
Derzeit proben die Aktiven der Stadtkapelle mit Kerstin Assmann-Schulz vor allem Weihnachtsmusik. © Bechthold

Derzeit proben die Aktiven der Stadtkapelle mit Kerstin Assmann-Schulz vor allem Weihnachtsmusik.
© Bechthold

Eher sinfonische Blasmusik mit sehr anspruchsvollen Arrangements sind mittlerweile die Passion des TSV-Orchesters, wie die Musiker gerade erst bei ihrem großen Herbstkonzert eindrucksvoll bewiesen haben. Doch auch die Stadtkapelle hat einen Platz gefunden, den sie mit Erfolg ausfüllt. Es ist der Bigband-Jazz, vor allem der Swing, der es den Musikern und Dirigentin Kerstin Assmann-Schulz angetan hat.

Musik also, zu der man Tanzen kann. Und dieses Konzept bewährt sich nun schon seit einigen Jahren. Neuerdings aber präsentieren die Musiker bei ihren Konzerten noch eine Überraschung. Mit Hans-Christoph Stöcker (Foto) haben sie nun einen Sänger, der genau dieses Genre bestens beherrscht.

Recht gibt den Stadtkapellen-Mitgliedern das steigende Interesse an den Tanztees, die sie dreimal im Jahr im Saal für Vereine anbieten. Schon seit Ende 2012 gibt es diese Veranstaltungen. „Wir haben inzwischen ein festes Stammpublikum, das immer weiter wächst“, berichtet Kerstin Assmann-Schulz. Und auch sonst spielen sie nicht nur ihre festen Konzerte etwa beim Kultursommer in Heusenstamm. Sie sind zum Beispiel auch schon seit Jahren gleich zweimal fester Bestandteil des Unterhaltungsprogramms auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt. Und auch der Nikolausmarkt darf im Terminkalender nicht fehlen. Am Sonntag, 4. Dezember, spielen sie um 14.30 Uhr im Schlossinnenhof.

Der Weihnachtsmarkt in der Offenbacher Innenstadt war es auch, der sie mit Hans-Christoph Stöcker zusammengebracht hat. Denn dort hat er zum ersten Mal die Stadtkapelle Heusenstamm gehört. „Das war Liebe auf den ersten Hör“, sagt er heute mit verschmitztem Lächeln.

Sofort hat er versucht, Kontakt zu Kerstin Assmann-Schulz aufzunehmen. Das gelang ihm dann schließlich auch, und man verabredete sich, die „Sache mit dem Sänger“ einmal zu versuchen. „Wir haben vorher nie zusammen mit einem Sänger gespielt“, erinnert sich die Dirigentin, die vor einer Verabredung mit Stöcker natürlich erst einmal mit den Musikern über diese Idee gesprochen hatte.

Chris-wpcf_300x225Im Februar dieses Jahres war Hans-Christoph Stöcker dann zum ersten Mal bei einer Probe dabei. Und es klappte. Von da an wurden gemeinsam Stücke ausgesucht, die sich für Stöcker eignen.

Der Louis-Armstrong-Klassiker „What A Wonderful World“ zum Beispiel zählt dazu. „Allerdings in einer etwas anderen Form, als man den Song sonst kennt“, betont der Sänger. Oder „Ain’t That A Kick In The Head“ von Dean Martin. „Have You Met Miss Jones“, ein Song aus dem „Great American Songbook“, den unter anderem Frank Sinatra gesungen hat. Und „Makin’ Whoopee“, ebenfalls aus dem Repertoire von Frankie-Boy. „Wir schauen vor allem nach den Jazz-Standards“, erläutert Hans-Christoph Stöcker.

Langsam, aber sicher werde das Orchester gemeinsam mit Stöcker ein Repertoire für Stücke mit Gesang aufbauen, kündigt Kerstin Assmann-Schulz an. Derzeit arbeite man neben den Proben für die Weihnachtskonzerte an der Michael-Bublé-Version von „Cry Me A River“.

„Es ist ein Experiment, das gut ankommt“, zieht die Dirigentin eine erste Bilanz. Viele seien überrascht, da man die Stadtkapelle ja bisher als reines Blasorchester kenne. „Und es wird auch weiterhin reine Orchestermusik geben“, fügt sie noch schnell hinzu. Aber die Variante mit Sänger Stöcker mache Spaß und werde fortgesetzt.