Veröffentlicht am 22.02.2017, Stadtpost Heusenstamm
Experimente als praxisnaher Unterricht

Offene TĂĽren an Heusenstammer Adolf-Reichwein-Schule

Heusenstamm (pro) – Für die einen war’s attraktiver Unterricht zu ungewöhnlicher Zeit, für die anderen eine praxisnahe Informationsquelle an einer außergewöhnlichen Schule. Unter dem Namen Adolf Reichwein sind nicht nur Haupt- und Realschule vereint, die Einrichtung an der Leibnizstraße beherbergt auch eine der wenigen und heiß begehrten Förderstufen. Unlängst informierten sich vor allem Eltern von Viertklässlern über die Möglichkeiten.

400 Gramm Weizenmehl, die Hälfte Salz, ein halber Liter kochendes Wasser, zwei Esslöffel Öl und genauso viel Alaunpulver für die Geschmeidigkeit – das ist das Erfolgsrezept. Erstmal nur für selbstgemachte Knete, die Achtklässler im Chemieunterricht zusammen rührten. Das Konzept fürs ganze Haus baut auf vielen Details, die Lehrkräfte und Schüler der ARS ihren Gästen eindrucksvoll demonstrierten. Besonders viele waren aus Obertshausen gekommen, resümierte Schulleiterin Margit Breen, aber auch aus Dietzenbach und Offenbach. Sie bevorzugen das gemeinsame Lernen und eine feste Bezugsperson in Gestalt eines Klassenlehrers, der in den meisten Fächern unterrichtet. Dazu bietet die Einrichtung Förderkurse bei Lese- und Rechtschreibschwäche sowie Ganztagsangebote. Kostenfrei können die Kinder nachmittags gelernten Stoff vertiefen, unter Aufsicht ihre Hausaufgaben erledigen oder Sport treiben.

Das schließt ein warmes Mittagessen aus guten Zutaten ein. Es wird täglich frisch von Acht- und Zehntklässlern im Wahlpflichtunterricht zubereitet. Diesmal hatten sie Kekse in Herzform gebacken, Kuchen und Brezel. Berufswegebegleiter stellten Kontakte mit Betrieben her, schließlich genießt die Reichwein-Schule das Gütesiegel „Berufs- und Studien-Orientierung“. Dazu arbeiten die Pädagogen oft fächerübergreifend.

Am „Tag der offenen Tür“ zeigten sie die Verbindung von Deutsch, Geschichte, Kunst und Arbeitslehre, beschäftigten sich mit historischen Berufsbildern wie Schneider, Gerber und Maurer. Die „Künstler“ entdeckten alte Schriften. „Wir verstehen uns als Lebensraum-Schule“, saget Rektorin Breen. „Wir wollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Jugendlichen helfen, dass sie sich im Leben zurechtfinden.“ Dazu fördert die ARS mit verschiedenen Projekten, dass die Mädchen und Jungen unterschiedlicher Herkunft friedlich, tolerant und offen miteinander umgehen. Gleich in Klasse Fünf trainieren die Sozialpädagogen in zwei Wochenstunden zu „Fairplayern“. Daneben stehen Spiel- und Sportangebote zur „bewegten Pause“ bereit, Schulbücherei, Jugendcafé und Teestube für Gespräche und Begegnungen offen.

Im Phyiksaal blitzte es. Schüler erzeugten Spannung – mit Transformator und Strom. „Experimente bleiben in Erinnerung“, weiß der Fachlehrer, junge Leute erzählten noch lange nach ihrer Schulzeit von den Versuchen. Optik, Wärme und sogar Kernphysik waren Themen in zweiten Stock. In Bio nahmen sie den menschlichen Körper auseinander und bauten die Organe wieder ein. Am Laptop untersuchten Fünftklässler, ob das Programm Words wirklich alle Schreibfehler findet. Aber auch Musik spielt eine wichtige Rolle an der Schule. Sie gewann in der Stadtkapelle einen Kooperationpartner. So können die Schüler in einem „Musikkarussell“ einzelne Instrumente kennenlernen und später im Orchester mitspielen. Derzeit laufen zwei Integrationsklassen, in denen fast 30 neu zugezogene Kinder und Teenager ohne Deutschkenntnisse vor allem die Sprache erlernen. Viele Teilnehmer dieser Kurse setzten ihre Schullaufbahn sehr erfolgreich fort, berichtete Breen.